Motoröl: Mythen und  Märchen

 

Viskosität

 

Zitat: „Das 0W40 läuft dir überall raus! Nimm lieber 10W40, das ist dicker! Damit sinkt der Ölverbrauch bzw. Ölverlust!“

Solche oder ähnliche Aussahen liest / hört man heute fast täglich, selbst von Werkstatt-Mitarbeitern oder "Meistern"! Und es ist schon wirklich erstaunlich wie sich im heutigen Informationszeitalter solche falschen Aussagen halten.

Schauen wir doch mal was die Zahlen vor und nach dem "W" überhaupt bedeuten. Ein 0W40 ist bei Betriebstemperatur keinen Deut "dünner" als ein 5W40, 10W40, 15W40 oder 20W40 da sie heiß alle den gleichen Viskositätsindex von 40 haben.

Nur bei niedrigen Temperaturen (Öl = kalt) besitzt ein 0Wxx eine niedrigere Viskosität als 5W40, 10W40, 15W40 oder 20W40. Die Viskosität eines 0Wxx bei zum Beispiel 0° C oder 40° C ist aber immernoch um den Faktor 10+(!) höher (Öl = DICKER!) als bei Betriebstemperatur da das Öl bei Erwarmung erheblich DÜNNER wird als es im kalten Zustand ist.

Es gibt also kein Öl welches im kalten Zustand zu dünn ist und dort verbrannt wird oder der Motor undicht wird wenn die Dichtungen und der gesamte Motor mit der viel niedrigeren Viskosität bei Betriebstemperatur zurechtkommen wo das Öl deutlich dünner ist. Folglich ist das 0W40 Öl bei kaltem Motor eigentlich immernoch viel zu "dick" bzw. weist eine zu hohe Viskosität auf im Vergleich zur Viskosität des Öles wenn es 90 Grad heiß ist.

Natürlich gibt es, bei Betriebstemperatur, noch dickere Öle als xW40, z.B. xW50 oder xW60. Fährt man ein Fahrzeug dessen Motor, aus welchen Gründen auch immer, permanent 130 - 150 Grad Öltemperatur hat ist ein xW50 oder xW60 sicher angebracht. Der Diesel kommt dank Öl/Wasser-Wärmetauscher aber kaum über die 100 Grad im Alltag, daher ist hier ein xW40 völlig ausreichend und ok. Auch in Hinsicht auf eine eventuelle Ölverdünnung durch Dieseleintrag (DPF-Regeneration) hat man schon mit einem 40er Öl deutlich mehr Reserven als mit dem werksseitig eingefüllten xW30.

 

 

Ölverbrauch

 

Fährt man ein xW30, so ist dieses bei Betriebstemperatur dünner als ein 40er Öl. Entsprechend KANN es vorkommen dass der Motor es leichter verbrennt da sich das dünnere Öl eben besser an z.B. Kolbenringen vorbei mogeln kann. Es liegt aber nicht nur ausschließlich an der Viskosität des Öles selber sondern auch daran welche Additive drin stecken.

Castrol-Öl ist z.B. sehr, nennen wir es, "verbrennungsfreudig", erst Recht als Longlife. Dort ist es sogar gewünscht dass etwas davon verbrennt so dass man innerhalb der 30 tkm mal den einen oder anderen Liter nachfüllen muss um dem Gesamtöl so wieder frische Additive hinzuzufügen. Nur so übersteht das Öl die 30 tkm nämlich überhaupt.

Die besten Öle was Verbrennungsresistenz betrifft, sind die Mobil 1 Öle ESP 0W40 / New Life 0W40 und Mobil 1 Peak Life 5W50.

Hier mal meine Erfahrungen mit den Mobil 1 Ölen aus meinem eigenen Fuhrpark:

 

- Honda Prelude 2.2 VTEC: mit Castrol 5W40 1 Liter auf 1000 km, mit Mobil 1 5W50 1 Liter auf 5000 km

- Audi 200 20V Turbo Quattro: mit Aral 5W40 1 Liter auf 1500 km, mit Mobil 1 5W50 1 Liter auf 8000 km

- Opel Kadett Turbo: mit Castrol RS 10W60 1 Liter auf ~ 2000 km (und Ölschlamm!), mit Mobil 1 5W50 1 Liter auf 10000 km(!)

- Opel Calibra Turbo: Ölverbrauch mit Shell 5W40 1 Liter auf ~ 1000 km, mit Mobil 1 5W50 1 Liter auf ~6000 km

- BMW 323ti: mit Agip 5W30 1 Liter auf 1000 km, mit Mobil 1 0W40 1 Liter auf ~5000 km

- Omega B 2.2 DTI: mit GM Dexxos2 1 Liter auf 3000 km, mit Mobil 1 0W40 1 Liter auf ca. 8000 km

- Omega B 2.5 DTI: mit GM Dexxos2 1 Liter auf 3000 km, mit Mobil 1 5W50 1 Liter auf 6000-8000 km, ebenso mit Mobil 1 0W40

- Omega B 3.0 DTI: mit Mobil 1 0W40 über 6000 km kein Ölverbrauch, mit Mobil 1 5W50 bisher ebenso kein Ölverbrauch (9000 km)

- Honda Civic Coupe 1.6i: mit Agip 5W30 1 Liter auf 1000 km, mit Mobil 1 0W40 bisher 0 nach 7000 km

 

Jeder macht halt so seine Erfahrungen und ich dokumentiere seit 2000 alle meine Ölverbräuche penibel. Die beiden Mobil 1 Öle (NewLife 0W40 / PeakLife 5W50) reduzierten bei JEDEM Auto (obige Liste unvollständig) den Ölverbrauch deutlich, teilweise fast auf 0 innerhalb eines Intervalls. Da hab ich damit schon einigen Fahrzeugen, auch denen von Freunden und Bekannten, den Ölsuff abgewöhnt.

Das liegt unter anderem auch an zusätzlich enthaltenen Additiven welche alte Dichtungen aufquellen und wieder weich werden lassen so dass u.a. Ventilschaft-, Ventildeckel- oder Ölwannendichtungen wieder dicht werden können. Das ganze hilft natürlich nur wenn das vorherige Öl nichts taugt und nicht wenn wirklich ein Defekt vorliegt.

Davon abgesehen besteht meine Fahrtstrecke aus 90% Autobahn und davon sehr viel Volllast, sprich die Motoren werden straff gefahren, auch in den oberen Drehzahlen. Daher die vergleichsweise hohen Öl-Verbräuche. So ein M57 nimmt bei konstant 4900 U/Min. dann auch schon den einen oder anderen Schluck.

Der Omega B 2.2 DTI meines Bruders (Mobil 1 0W40) braucht z.B. gar kein Öl, er fährt aber auch nur Stadt und ab und zu Überland. Besucht er mich z.B. und lässt es die 450 km fliegen, nimmt er sich auch ein kleines Bisschen. Ist soweit auch völlig normal dass ein Motor sich etwas Öl nimmt wenn man lange Volllaststrecken mit höheren Drehzahlen fährt, selbst ein 911 Turbo oder GT3 nimmt sich dort den einen oder anderen Schluck. Kolbenringe dichten ja nicht zu 100% ab.

 

 

Abhängigkeit der Motorakustik von der Ölviskosität

 

Ein dickeres Öl hat natürlich ein besseres Dämpfungsverhalten als ein dünneres. Mit 0W20 wird ein Motor im Vergleich zu dickerem Öl (im warmen Zustand) deutlich mehr "scheppern". Mit 40er wird es schon deutlich besser und mit 50er wäre er noch ruhiger.

Ich habe dies ebenfalls auch selber schon am 2,5 Liter M57 getestet da ich vor dem Wechsel von 5W30 auf 0W40 erst das 5W50 für ca. 8000 km dazwischen fuhr zur innermotorischen Reinigung (da ist das Öl eins der besten) und danach erst auf 0W40 wechselte.

Das 5W50 ist eigentlich zu dick bei den beim Diesel üblichen Öltemperaturen. Man kann es zwar problemlos fahren, es macht bei normaler Alltagsnutzung nur wenig Sinn da minimal mehr Leistung fürs (dickere) Öl durchpumpen verloren geht und man sonst keinerlei wirkliche Vorteile hat. Ich fahre das 5W50 im 3 Liter M57, dieser wird aber nicht im Alltag gefahren und bekommt daher prozentual deutlich öfters "Feuer". Da gönne ich mir die zusätzliche Sicherheit durch das scherstabilere Öl einfach.

Es gibt auch Leute die sich nach wie vor ein 10W40 Öl einfüllen. Wieso sie das tun, entzieht sich meiner Logik, gibt es doch sehr viel bessere 5W40 oder 0W40 Öle. Es sei denn man möchte dass das Öl beim Kaltstart nur langsam an alle schmierenden Teile kommt und der Verschleiß möglichst hoch ist, vor allem im Winter. Dann immer rein damit. :)